Wissenschaft & Kunst. Kabel zu entwickeln ist eine Gratwanderung zwischen bekannten elektrischen Erfordernissen und intuitiven Konzepten. Ein gewagter Schritt auf Neuland kann durchaus auch zum Klangziel führen. Noch immer sind Kabel Gegenstand von vielen Diskussionen. Zwar wird der Einfluss der Verbindung auf den Klang einer HiFi-Anlage nur noch von wenigen angezweifelt, doch sind die Lösungsansätze zur bestmöglichen Signalübertragung vielfältiger als bei jeder anderen Komponente. So unterscheiden nicht nur die Materialien bei Isolatoren und Leitern, auch der Aufbau variiert stark. Musterbeispiele dafür sind in-akustik und Fadel Art, deren neueste NF- und LS-Kabel sich stereoplay zum Exklusivtest sicherte. Jean Fadel vertritt beim Aphrodite IC (Cinch) und Aphrodite SC Duo (Lautsprecherkabel) fast schon esoterische Ideen, während sich in-akustik Entwickler Holger Wachsmann beim black&white NF-1302 und LS-1302 an bekannten Grundlagen orientiert, aber auch neue Wege einschlägt. Dabei braucht Wachsmann sein bisheriges Konzept nicht umzuwerfen, errangen ja schon die Vorgänger NF-1202 und LS-1202 ein stereoplay Highlight (08/03). Deshalb ist der Aufbau des NF-1302 fast gleich wie beim Vorgänger: jeweils zwei Innenleiter für Signal-Hin- und Rücktransport (was das Kabel symmetrisch macht) aus massivem hochreinen Kupfer, die auf drei Polyethylenröhrchen liegen. Auch die Isolation aus geschäumten und festem Polyethylen (PE) ist bekannt. Sowie die "lückenhafte" Abschirmung, die mit einer radial geschlitzten Folie und den um den Kern gewundenen, ebenfalls doppelt isolierten Massivleitern keine Wirbelströme produzieren soll, aber Störungen den Zugang zu den Signalleitern verwehrt. Neu ist, dass ein PE-Netz und nicht ein PVC-Mantel die Konstruktion zusammenhält. Davon verspricht sich Wachsmann eine geringere Empfindlichkeit gegen Vibrationen (Mikrofonie). Ganz neu sind auch die hauseigenen Cinchstecker. Sie sind besonders kapazitätsarm und nicht mehr vergoldet, sondern mit abriebfestem Rhodium versehen. Das Lautsprecherkabel veränderte sich gegenüber dem Vorgänger LS-1202 ebenfalls nur wenig. Das LS-1302 besitzt 24 Massivleiter mit einem Querschnitt von 035mm². Magnetisch optimiert, sind vier Mal drei Plus- und Minusleiter um einen hohlen PE-Kern verseilt und wie beim NF-1302 mit der Kombination aus geschäumtem und festem PE isoliert. Auch hier machte der PVC-Mantel einem PE-Netz Platz, was beim Boxenkabel zu geringerer Kapazität führte. So waren die Tester verwundert, dass diese dezenten Veränderungen doch klare Klangvorteile mit sich brachten, denn das NF-1302 übertraf seinen Vorgänger deutlich. Im Vergleich zum NF-1202 verhalf es der Anlage zu natürlicheren Klangfarben, verlieh Stimmen mehr Ausdruckskraft und zeichnete den Bass genauer nach. Zudem konnte es komplexe Passagen unangestrengter wie auch informativer gestalten. So waren ein Klangpunkt mehr für das NF-1302 und ein stereoplay Highlight keine Frage. Ähnlich wie das NF-Kabel steigerte das LS-1302 die Durchhörbarkeit und ließ das Klangbild bei Tutti-Einsätzen stabiler und entspannter erscheinen. Die Ortung einzelner Instrumente geriet klarer, die Raumdarstellung gewann an Tiefe, der Bass an Konturschärfe. Zudem wirkte der Tiefton zeitlich besser integriert, während er beim LS-1202 etwas hinterherhinkte. So waren auch für diese formidable Leistung ein weiterer Klangpunkt und das stereoplay Highlight die Folge. Aus dem Messlabor: Rein messtechnisch haben in diesem Test die Kabel von in-akustik die Nase weit vorn: Sie zeichnen sich durch sehr günstige und weitgehend frequenzneutrale Parameter aus. Das trifft besonders auf den Isolationswiderstand zu, der praktisch nicht messbar ist. Auch die Frequenzmessung der Lautsprecherkabel an einer 4 Ohm- Last bestätigt dies: Beim LS-1302 von in-akustik lässt selbst bei 200 kHz die Amplitude am Kabelende im Vergleich zum Signal am Kabelanfang kaum nach. Der Abfall beginnt beim Fadel deutlich früher, besonders dann, wenn sich die beiden Leiter nicht eng aneinander schmiegen. Der Hörbereich ist jedoch noch nicht tangiert, sodass das Klangerlebnis in der Wiedergabekette durchaus anders ausfallen kann.
Hier gehts zum NF-1302